Nobelpreis für Physiologie für die Erfoschung des Tast- und Temperatursinns


David Juius und Ardem Patapoutian erhalten den diesjährigen Nobelpreis für Physiologie beziehungsweise Medizin für die Entdeckung von Rezeptoren für Temperatur und Berührung. Die beiden Forscher hätten die Frage gelöst, wie Nervenimpluse ausgelöst werden, damit Menschen Temperatur und Druck wahrnehmen. Die Preisträger hätten fehlende Verknüpfungen zum Verständnis des komplexen Zusammenspiels zwischen unseren Sinnen und der Umwelt ergänzt.

Der Sinnesphysiologie Julius von der University of California in San Francisco habe Capsaicin verwendet, eine Verbindung aus Chilischoten, die ein brennendes Gefühl hervorruft, um einen Sensor in den Nervenenden der Haut zu identifizieren, der auf Hitze reagiert, schreibt das Nobel-Komitee in Stockholm.

Der Molekularbiologie Patapoutian vom Scripps Research im kalifornischen La Jolla habe eine neue Klasse von Rezeptoren entdeckt, die auf mechanische Reize in der Haut und den inneren Organen reagieren. Durch diese Entdeckungen seien intensive Forschungen eingeleitet worden, die das Verständnis steigerten, wie das Nervensystem Hitze, Kälte und mechanische Reize erkennt.

Zuvor war spekuliert worden, dass der Nobelpreis in dieser Kategorie im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie vergeben werden könnte. Das Komitee sagte dazu in der Pressekonferenz zur Verkündung des Preises lediglich, sie berücksichtige für die Vergabe Nominierungen.

Voriges Jahr ging der Nobelpreis für Medizin oder Physiologie an Harvey J. Alter (USA), Michael Houghton (Großbritannien) und Charles M. Rice (USA) für die Entdeckung des Hepatitis-C-Virus. Dank der Entdeckungen der drei Preisträger könne Hepatitis C jetzt geheilt werden, hieß es zur Begründung. Sie hätten die Ursache für Fälle chronischer Hepatitis gefunden und Blutuntersuchungen sowie neue Medikamente ermöglicht, die Millionen von Menschenleben gerettet hätten.

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(anw)

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Raspberry Pi einrichten – so klappt’s


Der Raspberry Pi ist eine Erfolgsgeschichte durch und durch: Als einfacher und günstiger Einplatinen-Computer für Lernzwecke konzipiert, hat sich der “Raspi” über die Jahre auch bei Bastlern und Heimanwendern eine große Fangmeinde erarbeitet. Kein Wunder: Der Pi ist günstig, sparsam, vor allem im aktuellen Modell 4 sogar für einfache Desktop-Aufgaben flott genug und nicht zuletzt sehr schnell eingerichtet. Vor allem die für den Raspi optimierte Linux-Version Raspbian lohnt sich für Pi-Einsteiger. Wir zeigen Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie Raspbian auf dem Raspberry Pi installieren und einrichten.

Raspberry Pi einrichten

Raspberry Pi einrichten: Das brauchen Sie

Für die ersten Schritte mit einem Raspberry Pi braucht es nicht viel. Neben dem Bord selbst benötigen Sie noch einen Datenträger für die Installation des Pi-Betriebssystems sowie ein paar grundlegende Hardwarekomponenten. Wir gehen im folgenden davon aus, dass Sie Ihren Raspberry Pi an einem Monitor betreiben und ihn mit Maus und Tastatur bedienen. Falls Sie ihn “headless” nutzen möchten, also ohne angeschlossenes Display und gesteuert via Netzwerk über SSH, können Sie natürlich auf die Komponenten wie Tastatur etc. verzichten.

Diese Komponenten benötigen Sie:

  • eine micro-SD-Karte mit mindestens 4 und maximal 32 Gigabyte Kapazität (die älteren Pi-Modelle nutzen herkömmliche SD-Karten)
  • ein USB-Netzteil für den Raspberry Pi
  • ein Netzwerk-Kabel für die Verbindung mit dem Router
  • eine PC oder Mac mit passendem SD-Kartenleser
  • ein HDMI-Kabel zum Anschluss des Pi an den Monitor
  • optional: Eine USB-Maus
  • optional: Ein Gehäuse für den Raspberry Pi
  • optional: Eine USB-Tastatur
  • optional: WLAN-/Bluetooth-USB-Dongle (ab Raspberry Pi 3 bereits auf dem Bord vorhanden)

Wenn Sie alle Komponenten zusammenhaben, kann es losgehen! So richten Sie Raspbian auf Ihrem Raspberry Pi ein:

1. Schritt

Als erstes laden Sie das Betriebssystem herunter, das Sie auf Ihrem Raspberry Pi nutzen möchten. Hier steht mittlerweile eine recht breite Auswahl zur Verfügung, etwa angepasste Versionen von Kodi, ein vollwertiges Ubuntu oder sogar eine für den Raspberry Pi angepasste Version von Windows 10, die allerdings nur für Entwickler interessant ist. Wir verwenden für unsere Anleitung die aktuelle Version von Raspbian. Dabei handelt es sich um eine angepasste Version der Linux-Distribution Debian, die für den Raspberry Pi optimiert und von der offiziellen Raspberry-Pi-Foundation gepflegt wird. Sie finden die aktuelle Version von Raspbian unter diesem Link: https://www.raspberrypi.org/downloads/raspbian/. Neben der Standard-Version namens “Raspbian Stretch” steht mit “Raspbian Stretch Lite” auch noch eine verkleinerte Ausgabe des Systems zum Download bereit. Hier fehlt neben diversen Zusatzprogrammen vor allem die grafische Benutzeroberfläche von Raspbian. Die Lite-Ausgabe ist daher eher für Linux-Kenner geeignet, die sich im Terminal wohlfühlen.

2. Schritt

Nach dem Download von Raspbian entpacken Sie das Betriebssystem-Image auf Ihrer Festplatte. Unter Windows benötigen Sie dazu gegebenenfalls ein separates Archivprogramm wie das kostenlose 7-Zip.

3. Schritt

Nun müssen Sie das heruntergeladene Pi-Betriebssystem auf eine SD-Karte übertragen. Dafür gibt es mittlerweile eine Reihe von Möglichkeiten. Besonders komfortabel ist der Einsatz von Etcher (Download unter https://etcher.io/). Das Open-Source-Tool steht für Windows, Linux und macOS zur Verfügung und macht die Vorbereitung von Raspbian leicht. Laden Sie die aktuelle Version von Etcher für Ihr Betriebssystem herunter und installieren Sie sie.

4. Schritt

Legen Sie nun die SD-Karte für den Raspberry Pi in Ihren PC oder Mac ein und starten Sie Etcher. Hier klicken Sie auf “Select Image”. Navigieren Sie im nun aufklappenden Menü zum Ordner, in dem Sie das Raspbian-Image entpackt haben, und wählen Sie die Datei aus. Anschließend wählen Sie das Ziellaufwerk, also die SD-Karte aus. Beachten Sie, dass Etcher auch angeschlossene USB-Laufwerke als Ziel anzeigt. Da diese bei der Installation von Raspbian formatiert werden, müssen Sie unbedingt auf Nummer sicher gehen, das richtige Laufwerk zu nutzen. Ist alles parat, klicken Sie auf “Flash”, um die Installation zu starten.

5. Schritt

Sobald der Flash-Vorgang abgeschlossen ist, geht es am Raspberry Pi weiter. Entfernen Sie die SD-Karte aus dem PC und setzen Sie sie in den Pi ein. Verkabeln Sie den Mini-Computer außerdem mit Ihrem Router sowie dem Monitor und schließen Sie die nötigen USB-Geräte wie Maus und Tastatur an. Anschließend starten Sie den Pi, indem Sie das USB-Netzteil einstecken.

6. Schritt

Der Raspberry Pi startet nun das erste Mal auf die Benutzeroberfläche von Raspbian. Das kann – je nach Geschwindigkeit der SD-Karte – ein paar Minuten dauern. Sobald das System geladen ist, können Sie mit der Einrichtung der Linux-Umgebung fortfahren. Im nach dem ersten Start automatisch geöffneten Assistenten stellen Sie als erstes die Spracheinstellungen von Raspbian ein. In der Regel stellen Sie also “Germany” als “Country” ein. Raspbian passt die anderen Einstellungen automatisch an.

7. Schritt

Nun vergeben Sie ein Passwort, mit dem Sie sich bei Ihrem Raspberry Pi einloggen können. Das Passwort wird beispielsweise bei Admin-Aufgaben oder auch beim Fernzugriff auf den Raspberry Pi via SSH abgefragt.

8. Schritt

Im nächsten Schritt checkt Raspbian, ob es aktualisierte Komponenten des Betriebssystems gibt. Diesen Punkt sollten Sie nicht überspringen! Klicken Sie also auf “Next”, um die Updates abzurufen. Das System installiert die neuen Versionen anschließend automatisch. Dieser Vorgang kann eine Weile dauern.

Sobald der Update-Vorgang abgeschlossen ist, starten Sie den Raspberry Pi mit “Reboot now” neu. Ab sofort können Sie Raspbian auf Ihrem Raspberry Pi nach Ihren Wünschen anpassen und nutzen. Empfehlenswert ist beispielsweise ein Blick in das Menü “Einstellungen – Raspberry-Pi-Konfiguration”. Hier können Sie wichtige Funktionen des Pis einstellen, beispielsweise das Benutzerpasswort oder die Bildschirmauflösung. Programme installieren Sie am einfachsten über das Menü “Einstellungen – Add/Remove Software”. Hier finden Sie Hunderte von Programmen, die für den Raspberry Pi optimiert sind.

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Schach spielen – diese Online-Angebote gibt es


Bild: <span>Shutterstock.com / Impact Photography</span>

Neben klassischen Brettspielen erfreut sich auch Schach immer noch großer Beliebtheit. Allerdings ist dafür immer ein Gegenspieler nötig. Da dieser vielleicht nicht immer vor Ort zur Verfügung steht, können Sie sich online nach einem Gegner umschauen. Dafür steht Ihnen eine Vielzahl an Websites zur Verfügung.

Schach spielen am Computer

Es gibt viele Computerprogramme, mit denen Sie digital Schach spielen können. Doch die meisten davon sind kostenpflichtig und lassen sich nur gegen einen Computer-Gegner spielen. Wenn Sie eine Partie im Browser spielen, haben Sie häufig die Wahl, ob Sie gegen einen echten Spieler oder den Computer antreten wollen.

Schach.de

Schach.de ist eine deutsche Website, auf der Sie kostenlos Schach spielen und lernen können. Beim Online-Spiel haben Sie die Wahl, ob Sie gegen den Fritz-Computer oder gegen einen anderen Spieler über das Internet antreten wollen. Die Website schaltet zwar Werbung, allerdings nur für Schach-relevante Themen. Zusätzlich zu Online-Spielen können Sie auch kostenlose Kurse absolvieren. So lernen Sie spielend die Basics und weitere spezifische Schach-Taktiken.

Auf Schach.de können Sie wahlweise gegen eine Schachsoftware oder gegen einen echten Spieler antreten.

Lichess

Mit Lichess.org können Sie ebenfalls kostenlos online Schach spielen. Egal, ob gegen einen Freund, jemanden Zufälliges online oder gegen den Computer – alles ist möglich. Außerdem haben Sie Zugriff auf verschiedene Spielmodi, wie beispielsweise Blitzschach. Das Schachspielen ist ohne Anmeldung möglich, allerdings kann es sich lohnen für die eigenen Statistiken und besondere Duelle einen Account zu erstellen. Lichess verfügt zudem über eine Smartphone-App. Wenn Sie am Rechner und in der App jeweils mit Ihrem Konto angemeldet sind, können Sie Ihre Schachpartien auch plattformübergreifen spielen.

Mit Lichess können Sie kostenlos und plattformübergreifen Schach spielen.

schach-spielen.eu

Über die Website schach-spielen.eu haben Sie Zugriff auf eine deutschsprachige Schach-Community. Die Nutzung der Website ist kostenlos. Im Optimalfall legen Sie sich dort einen Account an, um auch erweiterte Funktionen wie zusätzliche Features oder Modi für die Schachpartien zu nutzen. Sie können aber auch auf das Erstellen eines Accounts verzichten und einfach nur als Gast spielen. Dann treten Sie wahlweise gegen einen echten Spieler an oder absolvieren ein Schachspiel gegen einen Schachcomputer. Die Nutzung der Website ist kostenlos und werbefrei.

Über schach-spielen.eu steht Ihnen eine große, deutschsprachige Schach-Community offen.

Deutscher Schachbund

Auch der Deutsche Schachbund selbst bietet Ihnen die Möglichkeit, online Schach zu spielen. Sie können die Website wahlweise als Gast oder als angemeldeter Benutzer verwenden. Hier können Sie allerdings nur gegen einen Schachcomputer antreten. Die Verwendung ist kostenlos. Es handelt sich um eine abgespeckte Version der teilweise kostenpflichtigen ChessBase, einem großen Online-Portal für professionelle Schachspieler.

Auf der Website des Deutschen Schachbunds können Sie gegen den Schachcomputer “Fritz” antreten.

Chess.com

Auf chess.com haben Sie die Möglichkeit gegen eine Vielzahl von Schachcomputern anzutreten. Die Schwierigkeit können Sie dabei selber festlegen. Von “Einfach” bis “Sehr schwer” ist alles dabei. Sie können auch eine adaptive Schwierigkeit einstellen. Dabei ist Ihr Computer-Gegner zu Anfang als eher leicht eingestellt und passt sich Ihrem Spiel-Niveau im Laufe der Partie an. Zusätzlich können Sie mit Lern-Lektionen und Takt-Aufgaben Ihr Können verbessern und neue Strategien lernen. Als registriertes Mitglied können Sie auch gegen andere Spieler spielen. Diese Schach-Seite ist kostenlos. Ein nettes Zusatzfeature: chess.com ist auch für das Smartphone im App Store oder im Play Store verfügbar. Wenn Sie einen Account besitzen, können Sie Ihren Fortschritt und Ihre Statistiken auch unterwegs abrufen.

Chess.com stellt Ihnen Schachcomputer verschiedener Schwierigkeiten zur Verfügung. Sie können aber auch gegen echte Spieler antreten.

Chess24

chess24.com ist ebenfalls eine umfangreiche Website zum Thema Schach. Sie können dort kostenlos Schachspiele gegen den Computer und gegen andere Spieler spielen. Außerdem können Sie live Turniere verfolgen. Für Anfänger stehen Lernkurse zur Verfügung. Die Website gibt es auf Deutsch und in anderen Sprachen. Die Nutzung ist kostenlos, mit einem Account erhalten Sie Zugriff auf weitere Funktionen und Turniere.

Auf chess24.com finden Sie eine große, internationale Schachcommunity.

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Fernseher reagiert nicht auf Fernbedienung


Bild: <span>Everton Eifert/Shutterstock.com</span>

Ein entspannter Abend vor dem Fernseher – undenkbar ohne Fernbedienung. Umso ärgerlicher ist es, wenn das TV-Gerät einfach nicht mehr auf die Tasteneingaben reagiert. Wir zeigen Ihnen, was Sie in einem solchen Fall tun können.

Ist die Fernbedienung das Problem?

Schalten Sie das TV-Gerät am Gerät selbst aus und ziehen Sie alle Stecker. Stecken Sie dann nur den Netzstecker ein und schalten Sie den TV erneut am Gerät ein. Drücken Sie dann auf der Fernbedienung die “Menü”-Taste oder die “Home”-Taste. Funktioniert die Fernbedienung nicht, führen Sie einen der folgenden Schritte aus:

Batterien der Fernbedienung überprüfen

Alte, schwache Batterien können eine Ursache für eine nicht funktionierende Fernbedienung sein. Schwache Batterien zeigen sich meist dadurch, dass Sie die Fernbedienung näher an das Gerät halten oder genauer ausrichtet müssen, bevor der TV reagiert. Zur Sicherheit sollten Sie der Fernbedienung neue Batterien verpassen, sofern dies nicht bereits kürzlich geschehen ist.

Infrarotsensor checken

Eine weitere Fehlerquelle könnte der Infrarotsensor an der Fernbedienung sein. Um eine einwandfreie Kommunikation zwischen TV und Fernbedienung zu gewährleisten, darf sich kein signalstörendes Objekt zwischen den beiden Geräten befinden. Zimmerpflanzen, Möbelstücke oder Lautsprecher können dementsprechend für eine Störung zwischen TV und Fernbedienung sorgen. Auch Lampen können den Informationsaustausch stören. Stellen Sie also einen ausreichend großen Abstand der Objekte zum TV sicher und überprüfen Sie auch, ob der Sensor an der Fernbedienung verdreckt ist.

Auch der TV selbst kann Schuld sein

Wenn Ihre Fernbedienung nach dem Ausführen dieser Schritte immer noch nicht funktionieren will, kann das Problem natürlich auch am TV-Gerät selbst liegen. Überprüfen sie also, ob sich der Fernseher mit den integrierten Bedientasten steuern lässt. Ist dies nicht der Fall, ist ein Softwarefehler oder im schlimmsten Fall sogar ein Defekt des Gerätes möglich. Letzteres macht eine Reparatur des Gerätes unumgänglich. Im Falle eines softwareseitigen Fehlers sollten Sie das Gerät zunächst auf Werkseinstellungen zurücksetzen. Danach können Sie ein Softwareupdate durchlaufen lassen. Wenn dies immer noch nicht zum gewünschten Ergebnis führt, bleibt Ihnen wohl nur die Reparatur oder das Ersetzen des Gerätes.

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Vertrauen und tiefes Misstrauen: 20 Jahre Google Deutschland


Die treusten Fans von Google sitzen in Deutschland. Das sagt zumindest die Statistik von Statcounter. Treuer jedenfalls als in der amerikanischen Heimat. Während in Deutschland 91 Prozent der Internetnutzer Google ihre Suchanfragen anvertrauen, sind es in den USA “nur” rund 87 Prozent. Auch bei den Smartphones setzen die Menschen in Deutschland mehrheitlich auf die Google-Karte und verwenden mehrheitlich ein Android-Gerät, während in den USA Apple mit seinem iPhone in Führung liegt.

Google ist in Deutschland aber nicht nur der allgegenwärtige Internetriese, der Suchanfragen beantwortet, Clouddienste zur Verfügung stellt oder bei der Navigation zuverlässig den Weg weist. Mit vier Standorten – Hamburg, Berlin, München und Frankfurt – und über 2500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist der Konzern ein wichtiger Arbeitgeber. Indirekt hängen sogar hunderttausende Jobs in Deutschland von dem US-Konzern ab.

Den Anfang machte Google am 10. Oktober 2001 in Hamburg in einem Mietbüro mit zwei Schreibtischen. Hier ging es zunächst darum, einen Vertrieb für das Anzeigengeschäft aufzubauen. Inzwischen arbeiten in der Hansestadt rund 550 “Googler” in den Bereichen Kommunikation, Recht, Marketing, Personal und Vertrieb.

Da die Hansestadt von den politischen Entscheidungen in Berlin zu weit weg war, zog zunächst Annette Kroeber-Riel 2007 in die Hauptstadt, die heute Googles politische Arbeit in ganz Europa leitet. Inzwischen kümmern sich mehr als 280 Mitarbeiter in Berlin nicht nur um die Politik, sondern auch um Bereiche wie YouTube, Künstliche Intelligenz und Google für Start-ups.

Die neue Nähe zu politischen Debatten konnte allerdings nicht verhindern, dass Google 2010 mit seinen Kamerawagen für Google Street View im übertragenen Sinne krachend vor die Mauer fuhr. Die Menschen hatten Google zwar inzwischen zu ihrer Lieblings-Suchmaschine erkoren. Doch als die Google-Autos mit einem drei Meter hohen Kameraaufbau durch die Straßen fuhren, bekamen viele ein mulmiges Gefühl.

Google sagte damals zu, die Gesichter von Passanten und Kennzeichen automatisch zu verpixeln. Doch das reichte vielen nicht aus. Datenschützer erreichten damals ein Vorabwiderspruchsrecht. Damit konnten Betroffene beantragen, ihre Fassadensansichten verpixeln zu lassen. In der Folge wurden rund 250.000 Anträge eingereicht und die Street View in manchen Gegenden quasi unbrauchbar gemacht.

Verschärft wurde die Street-View-Krise 2010 durch einen handfesten Datenschutz-Skandal. Die Hamburger Datenschützer entdeckten bei einer umfassenden Analyse eine unerlaubte Datenschnüffelei. Dabei zeichneten die Google-Autos im Vorbeifahren auch den Datenverkehr von unverschlüsselt betriebenen WLAN-Hotspots auf. Das Unternehmen sprach von einem Versehen und einem persönlichen Fehler eines Mitarbeiters.

Zehn Jahre später zog der Hamburgische Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar diese Bilanz: “Die Auseinandersetzung um Google Street View war der erste und gleichzeitig der letzte Kampf der analogen Welt mit der machtvoll heraufziehenden digitalen Moderne, die mit dem flächendeckenden Einsatz von digitaler Technik in die Alltagswelt vieler Menschen Einzug hielt.”

Vielleicht hat der Skandal von 2010 Google intern auch den Anstoß gegeben, ausgerechnet Deutschland zu Schwerpunkt seiner Datenschutzbemühungen zu machen. Das Thema wurde in München angesiedelt. “Wenn wir Entwicklerinnen und Entwickler in Deutschland haben, die verstehen, warum das Thema Datenschutz so wichtig ist und dann auch mit einer gewissen Leidenschaft an dem Thema arbeiten, dann kommt auch das bessere Produkt dabei raus. Und zwar nicht nur für Deutschland, sondern auch international”, sagt Wieland Holfelder. Er leitet seit 2008 den Engineering-Bereich für Google in Deutschland.

Wichtig sei, dass Google transparent mache, wofür Daten verwendet werden und dass die Nutzer die Kontrolle haben, betont Holfelder. “Wenn ich meine Standortdaten mit Google teile, dann kann mich Google darauf hinweisen, wann ich das Haus verlassen muss, um pünktlich am Flughafen oder beim nächsten Meeting zu sein, weil dann die Strecke zwischen meinem Aufenthaltsort und dem Ziel angeschaut und dabei die Verkehrslage berücksichtigt werden kann.”

Inzwischen ist München mit mehr als 1500 Mitarbeitern der größte deutsche Standort. Google München hat sogar ein eigenes Bier, “gBräu” wird von einem echten Münchner Braumeister mit amerikanischen Cascade Hopfen gebraut – streng nach dem Deutschen Reinheitsgebot.

Achim Berg, der Präsident des Digitalverbandes Bitkom, stellt fest, dass Google in Deutschland nicht nur einen Absatzmarkt sehe, sondern auch einen Standort für Entwicklung und Infrastruktur. “Das zeigt: Wir haben kluge Köpfe, nicht nur für die klassischen Industrien, sondern ebenso für die digitale Wirtschaft.”

Selbst der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber findet zum Jubiläum zunächst freundliche Worte und nennt Google einen “Weltkonzern mit spannenden Produkten und großer Innovationskraft”. Doch er kenne auch “die andere Seite nur zu gut”: “Google verwendet jede Nutzung seiner Produkte, Services, Tools und Programmbibliotheken für die Bildung von Datenprofilen der Bürgerinnen und Bürger.” Google habe aus seiner Sicht einen “Überwachungskapitalismus” eingeführt und baue ihn immer weiter aus.

Für eine Regulierung des Internetriesen setzt sich auch der Aktivist Markus Beckedahl von netzpolitik.org ein: Google sei seit 2001 zu einem der mächtigsten Player der digitalen Welt aufgestiegen. “Das Unternehmen dominiert unter anderem durch frühe Aufkäufe von möglichen Konkurrenten mehrere Märkte.” Die Diskussion um das Gesetzespaket “Digitale Dienste” auf EU-Ebene müsse genutzt werden, um die Marktmacht von Google und Co. wirksam zu begrenzen.

In einem anderen konfliktträchtigen Bereich zeichnet sich unterdessen für Google etwas Entspannung ab, nämlich im Dauerstreit mit Verlagen in Deutschland. Mathias Döpfner, Präsident des Bundesverbandes Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) und Chef des Medienkonzerns Axel Springer, sagte auf dem jüngsten BDZV-Kongress, bei den US-Plattformen wachse die Erkenntnis, dass Medieninhalte nicht ohne kommerzielle Gegenleistung für kommerzielle Zwecke genutzt werden können. “Google zeigt jetzt in Verhandlungen ausdrücklich: Sie sind lizenzwillig. Das ist ein völlig neuer Ton”, sagte Döpfner.


(kbe)

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