Linux-Desktop Gnome 42: Der Sprung auf GTK4

Published by hyph on

[ad_1]

Sechs Monate nach dem letzten Release hat die Gnome Foundation jetzt die neue Version 42 der Desktop-Umgebung vorgestellt. Die meisten mitgelieferten Gnome-Anwendungen haben die Entwickler nun auf das Toolkit GTK4 portiert; deren Erscheinungsbild gibt jetzt die Bibliothek libadwaita vor. Programmierern will die neue Bibliothek die Erstellung von grafischen Anwendungen nach den Richtlinien des Gnome-Desktops vereinfachen, nimmt ihnen wegen hartkodierter Stylesheets aber auch Anpassungsmöglichkeiten.

Dafür gibt es jetzt einen systemweiten dunklen Modus, dem alle mitgelieferten GTK4-Anwendungen und Gnome-Programme folgen. Auf der grafischen Oberfläche findet sich eine umgebaute Schaltzentrale für die Gnome-Einstellungen, ein neuer Texteditor anstelle von Gedit, eine vereinfachte Terminal-Anwendung und ein überarbeitetes Screenshot-Werkzeug, das während des letzten Google Summer of Code entstanden ist.

Der eingebaute Remote-Desktop-Server nutzt jetzt RDP anstelle von VNC für eine bessere Kompatibilität mit geeigneten Clients jenseits der Linux-Sphäre. Auf Hardware mit unterstütztem Grafikchip lagert GTK4 das Scrollen von Fensterinhalten auf die GPU aus. Dieser Umbau war rund vier Jahre in Arbeit und glänzt jetzt in Gnome 42 mit deutlichen optischen Verbesserungen.

Mit libadwaita folgt das Aussehen von GTK4-Anwendungen unter Gnome strikter den Empfehlungen der “Human Interface Guidelines” der Gnome Foundation zum Aufbau grafischer Oberflächen. Grafische Inkonsistenzen sollen damit ab jetzt in neuen Gnome-Programmen kaum noch auftreten und ein systemweites dunkles Theme gibt es auch.

Gleichzeitig ist der Gedanke hinter dieser Bibliothek, welche aus libhandy entstand, ein vereinfachter Entwicklungsprozess bei grafischen Oberflächen. Diese Vorzüge hatte das Team schon im Februar 2022 ausführlich auf der FOSDEM gezeigt. Dabei gibt es aber auch Einschränkungen in der Gestaltung von Gnome-Anwendungen.

GTK-Themes sind im Wesentlichen Stylesheets. Und diese sind für helles und dunkles Design sowie für die Darstellung mit hohen Kontrasten in libadwaita fest eingebacken, um Proportionen von grafischen Elementen und deren Aussehen vorzugeben – von Farben und Fonts abgesehen. Diese bleiben weiterhin frei definierbar. Der Ansatz ist nicht neu: auch der Pantheon-Desktop von Elementary OS pflegt für diesen Zweck und zum einfachen Einbau komplexer Widgets die Bibliothek Granite.

Die dunkle Seite von Gnome

Über die Bibliothek libadwaita und die verbindlichen Stylesheets gibt es für GTK4-Anwendungen einen systemweiten, dunklen Modus. Es handelt sich um eines von insgesamt vier fest eingebauten Stylesheets.
(Bild: Screenshot)

Bei den Machern des Grafikprogramms Inkscape und den Gnome-Abspaltungen Budgie und Cosmic, ein Desktop von System76, stieß dieser Schritt der Gnome Foundation auf wenig Begeisterung, wie die sehr lange Diskussion im Gitlab-Repository der Gnome Foundation zeigt. Der Vorwurf an Gnome ist, bei dem festen Einbau von Stylesheets zu wenig auf Einwände und Nöte von Software-Entwicklern gehört zu haben. Eine pragmatische Lösung, wie Gnome-Abspaltungen ihre eigenen Stile umsetzen werden, etwa durch eigene Forks von libadwaita, steht noch aus. Bis auf Weiteres werden diese Desktops bei GTK3 bleiben, so wie auch Cinnamon von Linux Mint und der MATE-Desktop.

Eine Eigenschaft neuer Gnome-Versionen, die immer wieder für Unmut bei Anwendern sorgt, ist die Streichung von Einstellungsmöglichkeiten und Funktionen in schon jahrelang etablierten Programmen. Gnome 42 macht dabei keine Ausnahme und ersetzt wieder zwei Tools, die für viele Linux-Anwender zu den täglichen Utensilien gehören: Console tritt als stark vereinfachte Alternative gegen das bisherige Gnome-Terminal an und liefert von der Anpassung der Schriftgröße sowie der Hintergrundfarbe abgesehen gar keine Einstellungsmöglichkeiten mehr. Nicht ganz so schlicht und simpel ist der neue Texteditor geraten, der für dutzende Script- und Programmiersprachen Syntaxhervorhebung und automatisches Einrücken bietet.

Als herber Verlust dürfte aber vielen die fehlende Erweiterungsschnittstelle auffallen, mit welcher Gedit noch glänzen konnte. Noch sind Gedit und das bisherige Gnome-Terminal jedoch nicht komplett gestrichen – sie finden sich weiterhin in den Paketquellen der Linux-Distributionen. Meist werden sie auch weiterhin vorinstalliert, solange die Entwicklung und Pflege dieser Programme nicht eingestellt ist. Der Aktivität im Gnome-Code-Repository nach zu urteilen, sieht das derzeit keineswegs danach aus. Der Dateimanager Nautilus unterliegt keiner Streichungen von Funktionen und hat ein Menü mit Abkürzungen neben der Pfadanzeige bekommen, um etwa den aktuellen Pfad im Terminal zu öffnen.

Etliche weitere kleinere Änderungen listen die Release Notes zu Gnome 42 (in Kürze verfügbar) auf. Die aktuelle Version der Desktop-Umgebung wird in Fedora Linux 36 verfügbar sein, das Ende April erscheinen soll und aktuell als Nightly Build vorliegt. Auch in Form des experimentellen Linux-Systems Gnome OS lädt Gnome 42 bereits zum Ausprobieren auf realer Hardware oder in einer virtuellen Maschine ein. Ubuntu 22.04 wird voraussichtlich wieder einen Mix an Gnome-Komponenten aus verschiedenen Versionen liefern und kein pures Gnome 42.


(dmk)

Zur Startseite

[ad_2]

Categories: Uncategorized