Facebook & Co.: Meta schränkt detaillierte Werbeeinstellungen ab 2022 ein

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Besonders das detaillierte Werbe-Targeting von Facebook und Instagram wurde in den vergangenen Jahren viel kritisiert. Vorwürfe lauteten unter anderem, dass politische Parteien je nach Zielgruppe sehr unterschiedliche Werbebotschaften ausspielen können – so, dass etwa nicht religiöse Menschen mit ganz anderen, teils entgegengesetzten, Botschaften angesprochen werden konnten, als etwa religiöse. Meta, vormals Facebook, will diese Form des “detaillierten Targeting” im Jahr 2022 nun wieder einschränken.

Das Unternehmen versuche seine Geschäftsinteressen und die Wünsche von Geschäftstreibenden, aber auch die Bedenken von Bürgerrechtsexperten, politischen Entscheidungsträgern und anderen Interessenvertretern unter einen Hut zu bringen. Das detaillierte Targeting könne nämlich auch missbraucht werden, so Meta.

Ab dem 19. Januar 2022 sollen Kundinnen und Kunden deshalb Werbung nicht mehr nach Kategorien wie Gesundheitsdetails, sexuelle Orientierung, religiösen Einstellungen oder Interesse an politischen oder sozialen Gruppen auswählen können. Das bedeutet, dass Werbung wieder an wesentlich gröber gefasste Interessengruppen gerichtet wird. Das erklärt Meta in einer Mitteilung in seinem Geschäftsbereich Meta for Business. Die Einschränkung der Werbeoptionen könne zwar dazu führen, dass Geschäftstreibende und Organisationen Nachteile spüren könnten, man habe sich hier aber darum bemüht, eine Balance zwischen unterschiedlichen Interessen zu erreichen.

Die Funktion detailliertes Targeting speist sich laut Meta unter anderem aus Eingaben und Interaktionen, die Nutzerinnen und Nutzer auf den hauseigenen Plattformen machen. Relevant hierfür sei etwa, “welche Werbeanzeigen Personen anklicken, mit welchen Seiten Personen interagieren, welche Handlungen Personen auf Facebook vornehmen, die beispielsweise im Zusammenhang stehen mit der Verwendung ihres Geräts oder bevorzugten Reisezielen, demografische Angaben wie Alter, Geschlecht und Standort” oder auch welches Mobilgerät sie verwenden.

Auch Nutzerinnen und Nutzer sollen im kommenden Jahr mehr Möglichkeiten erhalten, von ihrer Seite aus Werbung auszublenden. Dies könne themenbezogen entschieden werden, beispielsweise, dass weniger Werbung zum Thema Alkohol gezeigt wird.

Die großen Datensammlungen zu Nutzerinteressen und -einstellungen von Meta haben in der Vergangenheit schon häufiger für Streit und auch Skandale gesorgt. So zeigte etwa der Fall Cambridge Analytica, welche Datenschätze unter anderem bei Facebook liegen und wie diese in Wahlkämpfen für gezielte Mobilisierungen missbraucht wurden. Facebook gelobte in den Jahren darauf zwar Besserung, wollte etwa politische Werbung besser prüfen, um auch Desinformationskampagnen anderer Länder besser zu erkennen, schränkte Werbung oder umstrittene Einträge von politischen Parteien aber lange nicht ein. Konkurrenten wie Google und Twitter legten 2019 neue Maßstäbe an das politische Targeting an, während Mark Zuckerberg mit Facebook weiterhin herum lavierte und auch Falschnachrichten von Politikerinnen und Politikern lieber stehen lassen wollte.

Facebook unterlief jüngst auch noch Versuche, das Targeting des Unternehmens genauer zu untersuchen. Mit einer Browser-Erweiterung namens AdObserver wollten Wissenschaftler der New York University empirisch herausfinden, wem Facebook wann welche politischen Anzeigen vorsetzt – Facebook blockierte dies und kassierte eine Rüge der us-amerikanischen Aufsichtsbehörde FTC. Das Unternehmen hatte den Datenschutz vorgeschoben, um den Einsatz der Browser-Erweiterung zu stoppen, obwohl Teilnehmende freiwillig eine Datenspende leisteten.

Deutlich wurde hierdurch erneut besonders: Der Konzern möchte sich nicht in die Karten blicken lassen. Die Enthüllungen der Whistleblowerin Frances Haugen haben den Druck zur Veränderung bei Meta und seinen Angeboten aber gewaltig erhöht. Für die Allgemeinheit schädliche Geschäftspraktiken können aufgrund der geleakten internen Dokumente seitdem wesentlich gezielter kritisiert werden.


(kbe)

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