Meta: Bürgerrechts-Team sieht weiteren Handlungsbedarf und braucht mehr Daten

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Meta hat einen ersten Bericht zu seinen Bemühungen veröffentlicht, Belange der Bürgerrechtsbewegungen in den USA besser in seinen Angeboten unterzubringen. Zugleich hat das Unternehmen neue Untersuchungsinstrumente vorgestellt, die dabei helfen sollen, die Probleme von marginalisierten Menschen in Metas Angeboten überhaupt erst zu erkennen.

Wie Meta in einem Bericht seines Mitarbeiters Roy L. Austin bekannt gibt, arbeitet seit etwas mehr als einem Jahr ein neues Bürgerrechts-Team für den Konzern. Laut Austin wurde das Team aufgrund von internen Evaluationen gegründet, die seit dem Jahr 2018 vorgenommen werden und im Jahr 2020 in einem Bericht vorgestellt wurden. Allerdings passt die Zeit der Gründung des Bürgerrechts-Teams auch zu den “Black Lives Matter”-Unruhen in den USA, die nach dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd im Jahr 2020 aufkamen.

Auch auf Facebook und Instagram spiegelten sich diese Unruhen wider und Facebooks Form der – aus Sicht der Kritiker – unzulänglichen Social-Media-Kontrolle und Werbeschaltung wurde hart kritisiert, weil sie Hass, Rassismus und Hetze förderten. Dies kumulierte unter anderem in dem Aufruf #StopHateForProfit, woraufhin auch Facebook ein härteres Vorgehen gegen Hass auf seinen Plattformen versprach.

Austin ist seit Anfang 2021 Chef des Bürgerrecht-Teams, das nun mittlerweile neun Vollzeitkräfte umfasse – wie Austin unterstreicht, seien hiervon sechs Frauen und zugleich People of Color. Es soll auf den Plattformen des Unternehmens, wie etwa Facebook und Instagram, für mehr Gerechtigkeit, Sicherheit und auch die Beachtung der Menschenwürde sorgen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Teams seien besonders in Fragen des Wahlrechts, der Immigration, Justiz, Hassverbrechen, nationalen Sicherheit und Terrorismusbekämpfung bewandert.

Austin zählt in seinem Bericht auf, was das Team bisher erreicht habe: Man habe etwa Bürgerrechtsproblematiken in den Verhaltenskodex des Unternehmens aufgenommen und das “Project Height” gegründet, welches interne Überprüfungsverfahren zu dem Thema umfasst. Zudem habe sich Meta um eine diversere Belegschaft bemüht und auch Frauen und anders marginalisierte Personen in mehr führende Positionen gebracht.

Zur US-Wahl 2020 habe man laut dem Bericht stärker darauf geachtet, dass Wähler:innen nicht von der Wahl abgehalten werden (Voter suppression), Wahlwerbung transparenter gemacht und auch die Registrierung für Wahlen unterstützt. Auch der Umgang mit Drohungen und Hassattacken habe man auf den Plattformen verändert.

Um das genaue Targeting von speziellen Gruppen zu unterbinden, habe Meta zudem neue Werbevorgaben beschlossen. So werden die detaillierten Werbeeinstellungen ab Januar 2022 eingeschränkt, die sehr spezialisiertes Targeting zuließen. Zugleich will das Unternehmen Wissenschaftlern mehr Zugang zu seinen Daten gegeben haben, um die Effekte der Plattformen besser zu verstehen. Gegen diese Aussage sprechen allerdings einige Vorkommnisse der vergangenen Monate. Facebook war beispielsweise gegen eine Browser-Erweiterung namens AdObserver der New York University vorgegangen und kassierte dafür eine Rüge der US-Aufsichtsbehörde FTC. Mit der Erweiterung wollte die Universität untersuchen, welche politischen Werbeanzeigen an wen ausgespielt werden.

Austin erklärt in einem weiteren Post, dass die bisherigen Bemühungen des Konzerns allerdings an Grenzen stoßen, da manche berichtete Erfahrungen von marginalisierten Gruppen noch nicht verstanden werden. Das Unternehmen bemühe sich deshalb um weitere Untersuchungen, um die Erfahrungen dieser Gruppen besser nachvollziehen zu können.

Meta möchte an dieser Stelle laut eigener Angaben mit der Bürgerrechts-Community, Organisationen, Privatsphäre-Experten, Wissenschaftlern und Regulatoren zusammenarbeiten. Um Rassenungerechtigkeiten in den USA besser zu verstehen, werde man unter anderem auf den US-Zensus und Postleitzahlen-Daten zurückgreifen, da dies ein recht akzeptierter Weg sei, die US-amerikanische Demografie zu erfassen.

Da dieser Ansatz aber auch seine Grenzen habe, soll er mit zwei weiteren Methoden ergänzt werden. Zum einen werde man das “Bayesian Improved Surname Geocoding” nutzen – man beziehe also noch den Nachnamen in die Untersuchung mit ein. Zum anderen werde man mit Befragungen abseits der Plattformen arbeiten.

Metas Bericht zu den Bemühungen des Bürgerrechts-Teams fällt in eine Zeit, in der das Unternehmen mit seinen Angeboten Facebook, Instagram und Whatsapp weiterhin hart in der Kritik steht. Nachdem die Whistleblowerin Frances Haugen interne Dokumente geleakt hat, die unterstreichen sollen, dass Facebook immer wieder Profit vor Wohlergehen seiner Nutzerinnen und Nutzer gestellt hat, ist das Unternehmen in Erklärungsnot. Seine Plattformen werden mit Hass, Gewaltverstärkung und Desinformation in Verbindung gebracht, welche aus ökonomischen Gründen nicht ausreichend bekämpft würden.


(kbe)

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