Mikrolauncher: 7 Kleinsatelliten fliegen mit Regierungscharter ins All

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Isar Aerospace Technologies aus Ottobrunn bei München hatte im April die Hauptrunde des “Mikrolauncher-Wettbewerbs” der Deutschen Raumfahrtagentur im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) für sich entschieden und elf Millionen Euro gewonnen. Nun steht fest, was die 28 Meter lange, zweistufige Rakete Spectrum des Unternehmens bei ihrem ersten Testflug Ende 2022 ins All befördern soll: Sieben Kleinsatelliten, die zur Demonstration verschiedener Technologien wie Kommunikation und Wetterdatenmessung eingesetzt werden können.

Unter den Gewinnern der Nutzlast-Ausschreibung des DLRs befinden sich fünf wissenschaftliche Einrichtungen aus Deutschland, Norwegen und Slowenien. Für den kostenfreien Mitflug qualifiziert hat sich etwa die TU Berlin mit der Mission “CyBEEsat”. Dabei handelt es sich um eine Demo für einen Mini-Transceiver, der für neu festgelegte Frequenzbänder entwickelt wurde. Das Zentrum für Telematik (ZfT) aus Würzburg ist mit einer Untersuchung von Vulkanaschewolken mit gleich drei Kleinsatelliten dabei, die in Formation fliegen und so die räumliche Ausdehnung von Wetterphänomenen vermessen können.

Die norwegische Uni NTNU aus Trondheim will mit der Mission “FRAMSat-1” punkten. Ein Student hat dafür einen Kleinsatelliten mit einem neuen Sternensensor entwickelt. Die slowenische Universität Maribor beteiligt sich mit der “Mission TRISAT-S”. Damit wird ein kleiner Sendeempfänger erprobt, der einen verschlüsselte Kommunikation mit mehreren Bodenstationen auf der ganzen Welt ermöglichen soll.

Das DLR selbst ist über sein in Trauen angesiedeltes Kompetenzzentrum für reaktionsschnelle Satellitenverbringung an Bord. Ziel dessen Mission “MSAE-OTTERS” ist es, einen Kleinsatelliten innerhalb von neun Monaten zu entwerfen und zu starten. Dafür müssen die typischen Entwicklungs- und Bereitstellungsprozesse stark beschleunigt werden, wovon der ganze Sektor profitieren soll.

Die Kleinsatelliten mit einem Gesamtgewicht von insgesamt rund 100 Kilogramm inklusive der sogenannten Deployer des US-Anbieters Exolaunch, die sie aussetzen, sollen in rund einem Jahr vom Startplatz Andøya in Norwegen in eine polare Umlaufbahn gebracht werden. Die Spectrum wird planmäßig eigentlich bis zu einer Tonne Fracht in eine niedrige Erdumlaufbahn befördern können: Bei der Premiere erfolgt aber zunächst ein abgespeckter Test, um auf Nummer sicher zu gehen.

Die Kooperation zwischen der Raumfahrtagentur und Isar Aerospace stellt ein Novum in der Zusammenarbeit von öffentlichen Institutionen und privaten Startdienstleistern in der europäischen Raumfahrtindustrie dar. Über den noch weiter laufenden Wettbewerb beauftragte die Bundesregierung in der Hauptrunde das erste Mal ein privat finanziertes europäisches Raumfahrtunternehmen mit dem Transport institutioneller Nutzlasten in den Orbit. Die Exekutive will damit auch ein Zeichen für die Unterstützung der “New Space”-Industrie in Europa setzen, die von der Miniaturisierung der Weltraumtechnik profitiert und stark auf Datenservices ausgerichtet ist.

Eine enge Zusammenarbeit von Hochschulen, Forschungsstätten, und Startups sei ganz im Sinne der Raumfahrtstrategie der Regierung, erklärte DLR-Vorstand Walther Pelzer: “Wir sehen diese Wettbewerbe als Katalysator und Wegbereiter für die Kommerzialisierung von Raumfahrtaktivitäten in Deutschland und Europa.”

Für den geplanten zweiten Demonstrationsflug von Spectrum 2023 liegen aktuell zwölf Bewerbungen vor, über deren Auswahl im nächsten Jahr entschieden wird. Im Anschluss will Isar Aerospace den ersten kommerziellen Flug angehen. Die Ottobrunner sind auch am neuen UN:IO-Konsortium beteiligt, das bis 2025 eine unabhängige sichere europäische Konstellation mit 400 Satelliten für das von der EU-Kommission geforderte unabhängige Breitband-Internet aus dem All aufbauen will.

“Parallel dazu werden wir schon einen weiteren Nutzlast-Wettbewerb ausschreiben”, kündigte Markus Wagener, Leiter des Kleinsatellitenprogramms in der Deutschen Raumfahrtagentur an. “Denn im April 2022 wird der zweite Gewinner des Mikrolauncher-Wettbewerbs gewählt. Für den Erst- und Zweitflug von dessen Rakete wollen wir ebenfalls wieder eine kostenlose Mitfluggelegenheit anbieten.”

In der ersten Runde des Wettstreits hatten auch die Rocket Factory Augsburg (RFA), eine Tochter des Bremer Raumfahrtkonzerns OHB, und die DLR-Ausgründung HyImpulse je 500.000 Euro Anschubfinanzierung erhalten. RFA schloss jüngst mit der ukrainischen Firma Lunar Research Service (LSR) einen Vertrag. Er sieht ebenfalls einen Jungfernflug Ende 2022 von Andøya aus vor. Dabei soll die Mikro-Trägerrakete RFA One in eine niedrige Erdumlaufbahn fliegen und so den Grundstein für eine Mondmission legen. Hyimpulse will schon im Sommer 2022 einen Mikrolauncher zur Höhenforschung starten.


(mho)

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